Lebensräume in Langa - Im ältesten Township Kapstadts
Lebensräume in Langa - Im ältesten Township Kapstadts

Lebensräume in Langa - Im ältesten Township Kapstadts

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Kundenrezensionen

  • 31.08.2021
    In Slums zu fotografieren ist eine heikle Aufgabe. Als Außenstehender braucht man Vertrauen damit die Bewohner sich öffnen. Als Fotograf will man etwas über die Lebensbedingungen der Bewohner mitteilen - und das ohne Voyeurismus. Birgit Hantke ist das aus meiner Sicht hervorragend gelungen. Sie ist fotografisch dicht bei den Menschen - man spürt die Empathie. Mit der künstlerischen Wirkung durch die digitale Nachbearbeitung schafft Sie wiederum einen gewissen Abstand zu Ihren Motiven. Durch diese neutralisierende Wirkung von Distanz und Nähe bekommt der Betrachter viel Freiraum für sein eigenes Empfinden. Ein gelungenes Werk. etwas über die Lebensbedingungen der Bewohner mitteilen - und das ohne Voyeurismus. Birgit Hantke ist das aus meiner Sicht hervorragend gelungen. Sie ist fotografisch dicht bei den Menschen - man spürt die Empathie. Mit der künstlerischen Wirkung durch die digitale Nachbearbeitung schafft Sie wiederum einen gewissen Abstand zu Ihren Motiven. Durch diese neutralisierende Wirkung von Distanz und Nähe bekommt der Betrachter viel Freiraum für sein eigenes Empfinden. Ein gelungenes Werk.
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  • 31.08.2021
    Der achtsame Blick von Birgit Hantke auf das Township Langa Armut zu fotografieren, ist für viele ein ambivalentes Unterfangen. Darf man das? Ziemt sich das? In unserer Gesellschaft ist man sich schnell einig und sagt mehrheitlich nein. Verbunden mit der Einschränkung, dass aus dokumentarischen, journalistischen und künstlerischen Beweggründen Ausnahmen gemacht werden sollten, ja gemacht werden müssen, nicht zuletzt um Empathie und Hilfe zu mobilisieren. Die einen dürfen Armut fotografieren, die anderen nicht. Aber so einfach ist das nicht. Pauschale und vorschnelle Urteile helfen nicht weiter, wie ich finde, aber sie entfalten leider Wirkung. Birgit Hantke hat einen Bildband über das Township Langa in Südafrika vorgelegt. Sie erhebt den Anspruch auf eine eigenständige Haltung zu einem umstrittenen Sujet der Fotografie. Sie denkt gar nicht daran, sich an fragwürdigen Vorgaben unserer Wohlstandsgesellschaft zu orientieren. Wie entkommt sie der in der Heimat drohenden Missbilligung? Wie verhält sich ihr fotografischer Ansatz zu den von der Gesellschaft geadelten und legitimierten Fotografen, die als Klassiker der sozialdokumentarischen Fotografie verehrt werden? Ich kann Ihnen versichern, Birgit Hantke realisiert nicht nur ihren fotografischen Standpunkt mit Bravour. Nein, sie löst auch den unseligen und höchst überflüssigen Gegensatz auf, zwischen dem, was man als Fotografin darf und dem, was man nicht darf. Damit hilft sie all den sozial engagierten und interessierten Fotografinnen und Fotografen, ihren Projekten ohne Druck und schlechtes Gewissen nachzugehen. Die sozialdokumentarischen Werke von Fotografen wie Heinrich Zille, Lewis Hine, Walker Evans oder August Sander haben bei allen Unterschieden eines gemeinsam: Sie changieren zwischen Empathie für das Dokumentierte und dem Formulieren von Anklagen gegen desolate Lebensumstände. So interpretieren wir ihre Werke. Der gesellschaftliche Konsens steht. Sie sind die Auserwählten, die Armut fotografieren dürfen, weil angeblich nur sie das können. Ist das tatsächlich so, oder handelt es sich um eine Zuschreibung edler, ehrenwerter Motive und fotografischer Qualitäten, die unsere Gesellschaft gerne einer Fotografenelite vorbehält? Haben wir es gar mit von der Gesellschaft privilegierten Stars zu tun, die Lieferanten von Fotos sind, denen wir eine besondere Qualität zusprechen, damit wir die abgelichtete Armut mit gutem Gewissen konsumieren können? Das unbestreitbare fotografische Können eines August Sander oder eines Lewis Hine wäre damit nichts anderes als nützliches Beiwerk. Das kann nicht richtig sein. Mit Fotoreisenden geht die Gesellschaft viel härter ins Gericht. Pauschal wird gern behauptet, der sogenannte Armutstourismus sei eine Form des Voyeurismus. Diese pejorative Wortschöpfung trifft den Fotografen doppelt. Er besucht und beobachtet nicht nur, nein er fotografiert auch noch. Der Fotograf im Township mutiert aus dieser Perspektive zum Zoo-Besucher. Er beschädigt sein Objekt und beutet es aus. Das darf nicht sein, sagt die Gesellschaft. Daran wird kein Zweifel gelassen. Diese weit verbreitete Sicht erzeugt Unwohlsein und Unsicherheit, die dem Amateur den Zugang zu Menschen im Township erschwert oder unmöglich macht. Gerade diesen Menschen möchte sich Brigit Hantke unbedingt nähern und sie tut gut daran. Hut ab, dass sich Birgit Hantke nicht hat manipulieren lassen von denen, die das Wegschauen für besser halten als das Hinschauen. Sie hat sich nicht beeindrucken lassen von den großen Vorbildern, den Profis der Armutsfotografie. Sie hat ihr Herzensprojekt umgesetzt. Sie steht den Großen der Fotografie in nichts nach, wenn es darum geht Würde zu wahren, Würde zu geben und Empathie zu mobilisieren. Und doch hat sie eine ganz eigene, beeindruckende Sicht auf die Menschen und Ihre Lebensräume in dem ältesten Township Südafrikas entwickelt, die ich so noch nicht gesehen habe. Sie ist nicht getrieben von dem Drang, Armut abzulichten, die den Betrachter zu Hause anspringt, entsetzt oder gar unterhält. Plattes Anklagen oder schlichtes Dokumentieren ist ihr fremd. Ihr gelingen ganz anders geartete Aufnahmen. Sie strebt die perfekte zeitlose Komposition an und will gleichzeitig den flüchtigen Moment einfangen. Die sorgfältig komponierte Darstellung unterentwickelter Lebensräume zeigt Menschen in entscheidenden, unwiederbringlichen Momenten ihres Lebens - in einem Foto, auf einer Bildebene. Hier kommt mir der finnische Fotograf Pentti Sammallahti in den Sinn, der in seinen perfekt arrangierten, zeitlos wirkenden Landschaftsaufnahmen Splitter menschlichen Lebens festhält, die sich dem Fotografen nur für einen kurzen Moment anbieten. Mit diesem Ansatz hat er Weltgeltung erlangt. Auch Cartier-Bresson, der Erfinder des Konzeptes des flüchtigen Augenblicks in der Fotografie suchte den Ausschnitt, in dem sich der Mensch in seine Umgebung vollständig einpasst und Zusammenhänge und gegenseitige Abhängigkeiten aufscheinen, die über die konkreten Umstände und den flüchtigen Moment hinausweisen. Birgit Hantke ist eine scharfe Beobachterin, der es in ihren besten Fotos gelingt, Momente abzupassen und mit ihrer Kamera so aus dem Leben herauszuschneiden, dass sie geradezu metaphorische und damit zeitlose Bedeutung gewinnen. Mit wohl komponierten Settings umschließt sie unwiederbringliche Momente. Eine Einheit entsteht, die unauflösbar erscheint. Ihre Fotos besitzen eine geradezu lyrische Ausstrahlung. Sie versinnbildlicht grundlegende Befindlichkeiten und Bedürfnisse menschlicher Existenz in einem Umfeld, das die Menschen tagtäglich mit existenzgefährdenden Problemen konfrontiert. Stolz, Selbstbewusstsein, Hoffnung, Sehnsucht, Lebensfreude und psychische Widerstandskraft. All das bringen ihre Fotos zum Ausdruck. Birgit Hantke fängt den entscheidenden Augenblick auf geniale Weise ein, als sich ein elegant gekleidetes Paar aus dem schlichten Wohnhaus in die Welt hinausbewegt, vielleicht zu einer geselligen Feier, vielleicht zum Kauf eines Autos so wie es vor mancher Unterkunft steht, wahrscheinlich aber zum Gottesdienst wie Birgit Hantke im Begleittext schreibt. Der Welt werden stolz die besten Kleidungsstücke präsentiert. Eine Portion Sendungsbewusstsein ist mit dabei. Seht her, hier sind wir und wir stellen etwas dar, wollen euch davon überzeugen, dass wir es richtig machen. Vielleicht wollen die beiden uns auch folgendes sagen: Seht her auf unseren Wohlstand, der uns nicht zum Wegziehen verleitet, weil uns die Solidarität hier vor Ort in der Gemeinschaft wichtiger ist, als der Umzug in ein besseres Viertel. Das stolze Paar strahlt ganz und gar nicht die Ausweglosigkeit aus, die der europäische Betrachter dem Townshipbewohner als einzigem Lebensgefühl großzügig und überheblich zubilligt, während er selbst in der Mehrheit ohne Probleme lebt, die seine Existenz herausfordern. Die von Birgit Hantke abgebildeten Menschen haben ohne jeden Zweifel diesen existentiellen Horizont, den wir überwunden haben. Sie müssen jeden Tag Widerstände überwinden, die ihre Lebensgrundlage gefährden, während wir in kaum mehr steigerbarem Wohlstand leben. Sehnen wir uns angesichts dessen, was Birgit Hantke über unsere eigene Befindlichkeit andeutet, nach existentiellen Herausforderungen zurück, die uns aus unserer Langeweile befreien? Dem kann abgeholfen werden, in dem man sich die Sorgen und Nöte der anderen ein Stück weit zu eigen macht. Birgit Hantkes Fotos bringen uns zum Nachdenken nicht nur über Lebensumstände in Afrika und was wir zu ihrer Verbesserung tun können. Die Fotos mit dem schmucken Paar gehören zu den stärksten im Band. Sie hauen dem europäischen Betrachter gängige Vorurteile regelrecht um die Ohren. Diese beiden Fotos begraben auch endgültig die Sicht, das es generell moralisch verwerflich ist, Menschen in einfachsten Lebensumständen zu fotografieren. Man muss es eben nur richtig machen und Birgit Hantke macht alles richtig, geht sensibel vor, ist achtsam, macht den Menschen vor Ort ihre Projektidee transparent, sucht und gewinnt die Zustimmung der Menschen und drängt sich mit ihrer Kamera nie auf. Mit diesem Vorgehen gelingen ihr Fotos von zeitloser Qualität. Nur so kann sie Aufnahmen machen, die ihre Protagonisten mit einer geradezu metaphorischen Dimension aufladen. Damit gibt sie dem Leben der Menschen und ihrem Lebensraum eine Würde, die uns staunend zurücklässt. Wir empfinden Bewunderung für diese Menschen und auch ein wenig Scham. Wer sind wir, dass wir uns ein Urteil erlauben? Der vorzüglich komponierte Bildband veranschaulicht mit der in den vielen Fotos gelungenen Synthese von flüchtigem Moment und zeitloser Rahmung einen eigenständigen fotografischen Ansatz. Woran kann man konkret weitere Alleinstellungsmerkmale festmachen, die die Fotografie von Birgit Hantke ausmachen? Da ist der von ihr gewählte Zugang zu dem Lebensraum Township zu nennen. Es ist unterteilt in Bereiche, die klar unterscheidbar sind. Die Wohnpräferenzen der Bewohner, auf die uns die Fotografin hinweist, überraschen. Soziale Differenzierungen werden sichtbar gemacht anhand der Ablichtung umbauter Räume, die Schutz geben und soziale Interaktion ermöglichen. Sei es in einer Blechhütte oder im gemauerten Gebäude. Das Township scheint vielfältiger, bunter und mit mehr Möglichkeiten ausgestattet als so mancher Vorort einer englischen Kleinstadt. Der Betrachter lernt zu unterscheiden und wird damit in die Lage versetzt zu würdigen. Die schlichte Bausubstanz und Ausstattung gewinnt auf Birgit Hantkes Fotos auf eine ganz eigentümliche Weise eine besondere Qualität und Wertigkeit, ohne dass sie ihre Objekte romantisiert oder verkitscht. Bäckerei und Take-Away wirken in ihrer Schlichtheit einladend. Sie stehen für Erfindungsreichtum und Improvisationskunst. Die abgenutzten Verkaufsstätten haben eine Attraktivität, die sich langsam aber unaufhörlich in das Bewusstsein des Betrachters drängt. Die Art, wie sie die bauliche Seite des Lebensraums Township präsentiert, lässt uns Vorurteile begraben, lässt uns vorsichtig werden in der Bewertung und verunsichert uns auf eine pädagogisch wertvolle Weise. Wir werden angehalten zu lernen und das schnelle Urteil zu meiden. Die Art wie Birgit Hantke fotografiert, lässt uns tiefer unter die Oberfläche verarmter Zustände blicken, als so manches journalistische Dokument, dass die Armut abbilden will, aber ohne jeden erzählerischen Anspruch daherkommt. Sie gibt den Menschen und ihren Lebensräumen die Individualität, die ihnen zusteht. Der Bildband deutet eine Art von Tourismus an, der nachhaltig ist und von dem die Menschen, die von uns besucht werden, tatsächlich einen Nutzen haben können. Die dargestellten Szenen haben damit eine unerwartete praktische politische Dimension. Auf die bös gemeinte Wortschöpfung Armutstourismus möchte ich in diesem Zusammenhang noch einmal kurz eingehen. Der Besuch eines Townships in Südafrika sollte zum Pflichtprogramm eines jeden Touristen gehören. Einheimische bieten heute schon Touren für Fotografen an. Das ist gut, wenn die Menschen, die dort leben davon profitieren und die Geldströme transparent sind. Bei weitem nicht jeder Tourist wird mit einem eigenständigen fotografischen Standpunkt auftreten und schon gar nicht die Klasse besitzen, die Birgit Hantke auszeichnet. Das ist auch nicht erforderlich. Entscheidend ist, dass jede und jeder ein Stück weit zu einem nachhaltigen Tourismus beiträgt und etwas mitnimmt, seien es Momente der Irritation oder des Staunens, die ihr oder ihm Möglichkeiten der Verantwortungsübernahme aufzeigen. Am besten abgelichtet auf einem Foto! Mehr kann man von Durchschnittsreisenden nicht erwarten. Birgit Hantke zeigt uns, dass gleichwohl viel mehr geht. Die Fotografin, ihre Haltung, ihr Ansatz und ihre Fotos ragen heraus! sich das? In unserer Gesellschaft ist man sich schnell einig und sagt mehrheitlich nein. Verbunden mit der Einschränkung, dass aus dokumentarischen, journalistischen und künstlerischen Beweggründen Ausnahmen gemacht werden sollten, ja gemacht werden müssen, nicht zuletzt um Empathie und Hilfe zu mobilisieren. Die einen dürfen Armut fotografieren, die anderen nicht. Aber so einfach ist das nicht. Pauschale und vorschnelle Urteile helfen nicht weiter, wie ich finde, aber sie entfalten leider Wirkung. Birgit Hantke hat einen Bildband über das Township Langa in Südafrika vorgelegt. Sie erhebt den Anspruch auf eine eigenständige Haltung zu einem umstrittenen Sujet der Fotografie. Sie denkt gar nicht daran, sich an fragwürdigen Vorgaben unserer Wohlstandsgesellschaft zu orientieren. Wie entkommt sie der in der Heimat drohenden Missbilligung? Wie verhält sich ihr fotografischer Ansatz zu den von der Gesellschaft geadelten und legitimierten Fotografen, die als Klassiker der sozialdokumentarischen Fotografie verehrt werden? Ich kann Ihnen versichern, Birgit Hantke realisiert nicht nur ihren fotografischen Standpunkt mit Bravour. Nein, sie löst auch den unseligen und höchst überflüssigen Gegensatz auf, zwischen dem, was man als Fotografin darf und dem, was man nicht darf. Damit hilft sie all den sozial engagierten und interessierten Fotografinnen und Fotografen, ihren Projekten ohne Druck und schlechtes Gewissen nachzugehen. Die sozialdokumentarischen Werke von Fotografen wie Heinrich Zille, Lewis Hine, Walker Evans oder August Sander haben bei allen Unterschieden eines gemeinsam: Sie changieren zwischen Empathie für das Dokumentierte und dem Formulieren von Anklagen gegen desolate Lebensumstände. So interpretieren wir ihre Werke. Der gesellschaftliche Konsens steht. Sie sind die Auserwählten, die Armut fotografieren dürfen, weil angeblich nur sie das können. Ist das tatsächlich so, oder handelt es sich um eine Zuschreibung edler, ehrenwerter Motive und fotografischer Qualitäten, die unsere Gesellschaft gerne einer Fotografenelite vorbehält? Haben wir es gar mit von der Gesellschaft privilegierten Stars zu tun, die Lieferanten von Fotos sind, denen wir eine besondere Qualität zusprechen, damit wir die abgelichtete Armut mit gutem Gewissen konsumieren können? Das unbestreitbare fotografische Können eines August Sander oder eines Lewis Hine wäre damit nichts anderes als nützliches Beiwerk. Das kann nicht richtig sein. Mit Fotoreisenden geht die Gesellschaft viel härter ins Gericht. Pauschal wird gern behauptet, der sogenannte Armutstourismus sei eine Form des Voyeurismus. Diese pejorative Wortschöpfung trifft den Fotografen doppelt. Er besucht und beobachtet nicht nur, nein er fotografiert auch noch. Der Fotograf im Township mutiert aus dieser Perspektive zum Zoo-Besucher. Er beschädigt sein Objekt und beutet es aus. Das darf nicht sein, sagt die Gesellschaft. Daran wird kein Zweifel gelassen. Diese weit verbreitete Sicht erzeugt Unwohlsein und Unsicherheit, die dem Amateur den Zugang zu Menschen im Township erschwert oder unmöglich macht. Gerade diesen Menschen möchte sich Brigit Hantke unbedingt nähern und sie tut gut daran. Hut ab, dass sich Birgit Hantke nicht hat manipulieren lassen von denen, die das Wegschauen für besser halten als das Hinschauen. Sie hat sich nicht beeindrucken lassen von den großen Vorbildern, den Profis der Armutsfotografie. Sie hat ihr Herzensprojekt umgesetzt. Sie steht den Großen der Fotografie in nichts nach, wenn es darum geht Würde zu wahren, Würde zu geben und Empathie zu mobilisieren. Und doch hat sie eine ganz eigene, beeindruckende Sicht auf die Menschen und Ihre Lebensräume in dem ältesten Township Südafrikas entwickelt, die ich so noch nicht gesehen habe. Sie ist nicht getrieben von dem Drang, Armut abzulichten, die den Betrachter zu Hause anspringt, entsetzt oder gar unterhält. Plattes Anklagen oder schlichtes Dokumentieren ist ihr fremd. Ihr gelingen ganz anders geartete Aufnahmen. Sie strebt die perfekte zeitlose Komposition an und will gleichzeitig den flüchtigen Moment einfangen. Die sorgfältig komponierte Darstellung unterentwickelter Lebensräume zeigt Menschen in entscheidenden, unwiederbringlichen Momenten ihres Lebens - in einem Foto, auf einer Bildebene. Hier kommt mir der finnische Fotograf Pentti Sammallahti in den Sinn, der in seinen perfekt arrangierten, zeitlos wirkenden Landschaftsaufnahmen Splitter menschlichen Lebens festhält, die sich dem Fotografen nur für einen kurzen Moment anbieten. Mit diesem Ansatz hat er Weltgeltung erlangt. Auch Cartier-Bresson, der Erfinder des Konzeptes des flüchtigen Augenblicks in der Fotografie suchte den Ausschnitt, in dem sich der Mensch in seine Umgebung vollständig einpasst und Zusammenhänge und gegenseitige Abhängigkeiten aufscheinen, die über die konkreten Umstände und den flüchtigen Moment hinausweisen. Birgit Hantke ist eine scharfe Beobachterin, der es in ihren besten Fotos gelingt, Momente abzupassen und mit ihrer Kamera so aus dem Leben herauszuschneiden, dass sie geradezu metaphorische und damit zeitlose Bedeutung gewinnen. Mit wohl komponierten Settings umschließt sie unwiederbringliche Momente. Eine Einheit entsteht, die unauflösbar erscheint. Ihre Fotos besitzen eine geradezu lyrische Ausstrahlung. Sie versinnbildlicht grundlegende Befindlichkeiten und Bedürfnisse menschlicher Existenz in einem Umfeld, das die Menschen tagtäglich mit existenzgefährdenden Problemen konfrontiert. Stolz, Selbstbewusstsein, Hoffnung, Sehnsucht, Lebensfreude und psychische Widerstandskraft. All das bringen ihre Fotos zum Ausdruck. Birgit Hantke fängt den entscheidenden Augenblick auf geniale Weise ein, als sich ein elegant gekleidetes Paar aus dem schlichten Wohnhaus in die Welt hinausbewegt, vielleicht zu einer geselligen Feier, vielleicht zum Kauf eines Autos so wie es vor mancher Unterkunft steht, wahrscheinlich aber zum Gottesdienst wie Birgit Hantke im Begleittext schreibt. Der Welt werden stolz die besten Kleidungsstücke präsentiert. Eine Portion Sendungsbewusstsein ist mit dabei. Seht her, hier sind wir und wir stellen etwas dar, wollen euch davon überzeugen, dass wir es richtig machen. Vielleicht wollen die beiden uns auch folgendes sagen: Seht her auf unseren Wohlstand, der uns nicht zum Wegziehen verleitet, weil uns die Solidarität hier vor Ort in der Gemeinschaft wichtiger ist, als der Umzug in ein besseres Viertel. Das stolze Paar strahlt ganz und gar nicht die Ausweglosigkeit aus, die der europäische Betrachter dem Townshipbewohner als einzigem Lebensgefühl großzügig und überheblich zubilligt, während er selbst in der Mehrheit ohne Probleme lebt, die seine Existenz herausfordern. Die von Birgit Hantke abgebildeten Menschen haben ohne jeden Zweifel diesen existentiellen Horizont, den wir überwunden haben. Sie müssen jeden Tag Widerstände überwinden, die ihre Lebensgrundlage gefährden, während wir in kaum mehr steigerbarem Wohlstand leben. Sehnen wir uns angesichts dessen, was Birgit Hantke über unsere eigene Befindlichkeit andeutet, nach existentiellen Herausforderungen zurück, die uns aus unserer Langeweile befreien? Dem kann abgeholfen werden, in dem man sich die Sorgen und Nöte der anderen ein Stück weit zu eigen macht. Birgit Hantkes Fotos bringen uns zum Nachdenken nicht nur über Lebensumstände in Afrika und was wir zu ihrer Verbesserung tun können. Die Fotos mit dem schmucken Paar gehören zu den stärksten im Band. Sie hauen dem europäischen Betrachter gängige Vorurteile regelrecht um die Ohren. Diese beiden Fotos begraben auch endgültig die Sicht, das es generell moralisch verwerflich ist, Menschen in einfachsten Lebensumständen zu fotografieren. Man muss es eben nur richtig machen und Birgit Hantke macht alles richtig, geht sensibel vor, ist achtsam, macht den Menschen vor Ort ihre Projektidee transparent, sucht und gewinnt die Zustimmung der Menschen und drängt sich mit ihrer Kamera nie auf. Mit diesem Vorgehen gelingen ihr Fotos von zeitloser Qualität. Nur so kann sie Aufnahmen machen, die ihre Protagonisten mit einer geradezu metaphorischen Dimension aufladen. Damit gibt sie dem Leben der Menschen und ihrem Lebensraum eine Würde, die uns staunend zurücklässt. Wir empfinden Bewunderung für diese Menschen und auch ein wenig Scham. Wer sind wir, dass wir uns ein Urteil erlauben? Der vorzüglich komponierte Bildband veranschaulicht mit der in den vielen Fotos gelungenen Synthese von flüchtigem Moment und zeitloser Rahmung einen eigenständigen fotografischen Ansatz. Woran kann man konkret weitere Alleinstellungsmerkmale festmachen, die die Fotografie von Birgit Hantke ausmachen? Da ist der von ihr gewählte Zugang zu dem Lebensraum Township zu nennen. Es ist unterteilt in Bereiche, die klar unterscheidbar sind. Die Wohnpräferenzen der Bewohner, auf die uns die Fotografin hinweist, überraschen. Soziale Differenzierungen werden sichtbar gemacht anhand der Ablichtung umbauter Räume, die Schutz geben und soziale Interaktion ermöglichen. Sei es in einer Blechhütte oder im gemauerten Gebäude. Das Township scheint vielfältiger, bunter und mit mehr Möglichkeiten ausgestattet als so mancher Vorort einer englischen Kleinstadt. Der Betrachter lernt zu unterscheiden und wird damit in die Lage versetzt zu würdigen. Die schlichte Bausubstanz und Ausstattung gewinnt auf Birgit Hantkes Fotos auf eine ganz eigentümliche Weise eine besondere Qualität und Wertigkeit, ohne dass sie ihre Objekte romantisiert oder verkitscht. Bäckerei und Take-Away wirken in ihrer Schlichtheit einladend. Sie stehen für Erfindungsreichtum und Improvisationskunst. Die abgenutzten Verkaufsstätten haben eine Attraktivität, die sich langsam aber unaufhörlich in das Bewusstsein des Betrachters drängt. Die Art, wie sie die bauliche Seite des Lebensraums Township präsentiert, lässt uns Vorurteile begraben, lässt uns vorsichtig werden in der Bewertung und verunsichert uns auf eine pädagogisch wertvolle Weise. Wir werden angehalten zu lernen und das schnelle Urteil zu meiden. Die Art wie Birgit Hantke fotografiert, lässt uns tiefer unter die Oberfläche verarmter Zustände blicken, als so manches journalistische Dokument, dass die Armut abbilden will, aber ohne jeden erzählerischen Anspruch daherkommt. Sie gibt den Menschen und ihren Lebensräumen die Individualität, die ihnen zusteht. Der Bildband deutet eine Art von Tourismus an, der nachhaltig ist und von dem die Menschen, die von uns besucht werden, tatsächlich einen Nutzen haben können. Die dargestellten Szenen haben damit eine unerwartete praktische politische Dimension. Auf die bös gemeinte Wortschöpfung Armutstourismus möchte ich in diesem Zusammenhang noch einmal kurz eingehen. Der Besuch eines Townships in Südafrika sollte zum Pflichtprogramm eines jeden Touristen gehören. Einheimische bieten heute schon Touren für Fotografen an. Das ist gut, wenn die Menschen, die dort leben davon profitieren und die Geldströme transparent sind. Bei weitem nicht jeder Tourist wird mit einem eigenständigen fotografischen Standpunkt auftreten und schon gar nicht die Klasse besitzen, die Birgit Hantke auszeichnet. Das ist auch nicht erforderlich. Entscheidend ist, dass jede und jeder ein Stück weit zu einem nachhaltigen Tourismus beiträgt und etwas mitnimmt, seien es Momente der Irritation oder des Staunens, die ihr oder ihm Möglichkeiten der Verantwortungsübernahme aufzeigen. Am besten abgelichtet auf einem Foto! Mehr kann man von Durchschnittsreisenden nicht erwarten. Birgit Hantke zeigt uns, dass gleichwohl viel mehr geht. Die Fotografin, ihre Haltung, ihr Ansatz und ihre Fotos ragen heraus!
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